Dilsberger Nachtwächter; Foto: Burkhard Zantopp

Eine lange Tradition

Die Nachtwächter

Seit 1510 sind die Nachtwächter von Dilsberg nun aktiv. Natürlich hat sich die personelle Besetzung seitdem geändert, aber der Hintergrund ist der gleiche geblieben. Wie früher ziehen die Wachmänner in der Silvesternacht durch die Gassen von Dilsberg.

Nachtwächter mit Laterne und Hellebarde;  Foto: Markus Schwerer

Mit Laterne und Hellebarde ausgestattet.

Von Bürgern für Bürger

Als Dilsberg 1347 die Stadtrechte erhielt, gab es im Ort eine Stadtmauer und ein Stadttor. Das Tor zur Stadt wurde nachts jedoch nicht bewacht. Das sollte sich ändern. Der kurfürstliche Amtmann führte die „Nachtwächterpflicht“ ein: Die Bürger sollten sich selbst bewachen. Genaueres über das Amt ist nicht bekannt. Sicher ist, dass es um 1650 einen bezahlten Nachtwächter gab – ein sehr begehrter Job.

Nachtwächter mit Laterne und Hellebarde; Foto: Markus Schwerer

Ab 1878 durch die Polizei ersetzt.

Als es noch keine Polizei gab

Zu den Aufgaben der Nachtwache gehörte der nächtliche Rundgang mit Nachtwächterhorn und Bürgerglocke für den Feueralarm. In den Pausen während der Schicht hielt sich der Wächter im Wächterhäuschen auf. Wer zu seinem Dienst nicht erschien, hatte eine empfindliche Geldstrafe zu zahlen. Nach 1878 wurde die Nachtwache aufgehoben – Dilsberg besaß nun elektrisches Licht und Polizei. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bemühten sich örtliche Vereine, den Brauch wiederzubeleben.

Die Tradition lebt wieder auf

Seit 1923 lebt der Brauch der Dilsberger Nachtwächter beim Silvesterumzug weiter. Jedes Jahr versammeln sich zwölf Männer am Torturm. Sie sind bekleidet mit langen Mänteln und besonderen Hüten, den Dreispitzen. Dazu tragen sie Hellebarden – Hieb- und Stichwaffen – und Laternen. Zwölfmal ertönt das Nachtwächterhorn, dann singen die Nachtwächter:

Der Dilsberg bei Nacht
Wird von uns treu bewacht

Mit’m Dreispitz, der Latern‘, der Hellebarde.
Dass kä Feuer es gibt,

käner die Rüb‘ verschlage kriegt,
dofür sin mir do, dem Dilsberg seine Garde.

Ja, wir sind die Garde,
die das Dilsberger Pflaschder schmückt.

Ja, wir sind die Garde,
die vorm Trinke und vorm Esse sich net drückt.

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